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Fundamente des Zuchterfolges
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Grundsätzliche Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Rassekaninchenzucht
Quelle: Dieser für alle Züchter sehr lehrreiche und wertvolle Artikel hat der Obmann in der Deutschen Kaninchenzeitung 8/10 gelesen und empfiehlt sie zum Studium! Verfasser Bernhard Pickert.
Wie die Erfolge in der gesamten Tierzucht, so ruhen auch die Erfolge in der Rassekaninchenzucht auf drei Fundamenten. 1. Zuchtwahl und Paarung 2. Fütterung - sowie 3. Haltung und Pflege
Zuchtwahl und Paarung Der Begriff "Züchten" ist nicht mit "Vermehren" zu verwechseln. Denn der Züchter muss vor der Paarung eine planmässige Wahl der Zuchttiere treffen, um dem gesteckten Zuchtziel näher zu kommen. Aus einer Vielzahl vorhandener Tiere dürfen folglich nur die besten Rassevertreter zur Fortpflanzung eingesetzt werden. Wer in der Zucht vorankommen möchte, muss daher eine möglichst breit gefächerte Nachzucht besitzen, um daraus die Tiere mit den besten Erb- und Leistungsanlagen auswählen zu können. Die Zuchttiere sollten folglich die höchste Gewähr in sich bergen, bessere Nachkommen hervorzubringen. Züchten beinhaltet demnach - auch wenn es hart klingen mag - ein strenges Auswählen, Selektieren und Aussondern. Die Zuchtwahl richtet sich zunächst auf das Exterieur, also auf die äusseren Merkmale von typgerechten Vertretern ihrer Rasse und ihres Geschlechts und weiter auf die gesamte körperliche Verfassung. Besonderes Augenmerk ist dabei auf gesunde, robuste, kräftige, leistungsfähige, fruchtbare, frohwüchsige, frühreife und futterdankbare Vertreter ihrer Rasse zu richten, die vermuten lassen, dass sie ihre guten Leistungsanlagen mit relativ hoher Sicherheit auch auf die Nachkommen übertragen. Äussere Anzeichen für Gesundheit und Leistungskraft sind ein glänzendes Haarkleid, ein der Rasse entsprechendes Temperament, ein klarer Blick und die standardgerechte Körperform. Kräftige Kaninchen lassen eigentlich immer auf eine gute Fresslust schliessen und geben die Gewähr für beste Futterausnutzung und gut entwickelte Organe. Tiere in einer solchen Verfassung sind ganz offenbar in der Lage, ihr Futter in Leistung umzuwandeln. Sie erweisen sich daher auch aus ökonomischer Sicht als besonders wertvoll. Der Züchter strebt bei aller Zuchtarbeit einem von ihm gesteckten Ziel, respektive dem von der Standardbeschreibung vorgegebenen Idealbild entgegen. Wer sich mit Tierzüchtung befasst, muss sich immer darüber klar sein, dass solche Arbeit nicht in wenigen Monaten geleistet werden kann, sondern dass Jahre, Jahrzehnte und nicht selten ein ganzes Züchterleben dafür benötigt wird. Durch Rückschläge und Misserfolge darf sich der Züchter also nicht entmutigen lassen. Konstante Zuchtergebnisse setzen die kritische Überprüfung der Vorfahren und deren Nachkommen voraus. Eine fortlaufende Prüfung der Leistungsmerkmale ermöglicht uns eine zuverlässige Einschätzung des wirtschaftlichen und züchterischen Wertes der Tiere und bietet zugleich die Möglichkeit, Versager und Blender mit Sicherheit zu erkennen und rechtzeitig auszusieben. Wichtig ist dabei die Dokumentation, die Führung des Zuchtbuchs. Die Aufzeichnungen geben Aufschlusss über die Zucht- und Leistungseigenschaften der Tiere und ihrer Vorfahren. Doch die Elterntiere können stets nur das vererben was sie selbst an Erbgut in sich tragen. Zu den Aufzeichnungen im Zuchtbuch gehören daher auch nützliche Details über Entwicklungsvermögen, Gewichtszunahmen, Körperbau, Widerstandsfähigkeit, Frohwüchsigkeit, Muttereigenschaften, Milchergiebigkeit, Behaarungsqualität, Fleischausbeute, Fruchtbarkeit usw. Da das Vatertier, der Zuchtrammler, im allgemeinen Sprachgebrauch "die halbe Herde" darstellt, hat man diesem Tier ein besonderes Augenmerk zu schenken. Sämtliche Nachkommen erhalten die Erbmasse zu gleichen Teilen vom Vatertier und von der Mutter. Ob und wie sich die Erbmasse eines Rammlers den einzelnen Häsinnen gegenüber in den Nachkommen durchsetzt, ist leider recht unterschiedlich. Oft ist es so, dass sich einzelne Eigenschaften des Vaters durchschlagend gegenüber vielen oder sogar fas allen mit ihm verpaarten Muttertieren vererben, so dass die Nachkommen diese Vatereigenschaften zeigen. Sind dies erwünschte Eigenschaften, sollte man ein derart kostbares Vatertier so lange wie möglich zur Zucht verwenden. Sämtliche Leistungseigenschaften müssen züchterisch stabilisiert werden. Sie setzen die Verpaarung von typgerechten, erbfesten, gesunden und leistungsfähigen Zuchttieren voraus Diese Eigenschaften kommen aber niemals zur vollen Entfaltung, wenn Fütterung, Haltung und Pflege der Jungtiere vernachlässigt werden.
Die Fütterung Die Entfaltung der vorhandenen Erbanlagen erfordert eine jederzeit bedarfsgerechte Fütterung, und zwar mengenmässig ausreichend und vielseitig in der Zusammensetzung. Die richtige Fütterung setzt daher umfassende Kenntnisse der Ernährungslehre voraus. Denn vorrangiger Zweck der Fütterung ist, dass beim Tier möglichst alle vom Züchter gewünschten Merkmale zur vollen Entfaltung kommen. In jeder Wachtumsperiode müssen die einzelnen Nähr- und Mineralstoffe im richtigen Verhältnis aufeinander abgestimmt sein. Ist dies nicht der Fall, so ist die Fütterung nicht nur unausgeglichen und unharmonisch, sondern auch unwirtschaftlich. Zudem übt ein falsches Nährstoffverhältnis auf die Körperverfassung und die Gesundheit einen ungünstigen Einfluss aus. Eiweiss wird bei dem verhältnismässig raschen Wachstum unserer Kaninchen vor allem in der Jugendentwicklung benötigt. Eiweisse kommen daher beim Aufbau des Körpers und der Fleischbildung zum Einsatz. Nicht zu vergessen ist, dass Eiweisse von keinem anderen Nährstoff ersetzt werden können. Das rasche Wachstum der Jungtiere - sowohl im Mutterleib als auch nach der Geburt - setzt deshalb eine angemessen eiweissreiche Ernährung voraus. Es ist daher unbedingt notwendig, die Jungiere, aber auch trächtige und säugend Häsinnen entsprechend reichhaltig zu versorgen. Durch Anwendung der Fachkenntnisse über Futtermittel und Fütterungstechniken kann auch das Fleisch-Fett-Verhältnis beeinflusst werden. Kohlehydrate sind in erster Linie Energieträger und dienen dem Vollzug der Lebensfunktionen. Ein Überschuss tritt durch Fettbildung in Erscheinung. Rohfasern und Ballaststoffe stillen das Hungergefühl und beeinflussen die Verdauung. Gutes Heu und Stroh sollte den Kaninchen daher zur ständigen Aufnahme zur Verfügung stehen. Auch die Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente spielen angesichts der Schnellwüchsigkeit unserer Kaninchen eine grosse Rolle. Einen besonders hohen Mineralstoffbedarf haben heranwachsende Jungtiere, trächtige und säugende Häsinnnen. Gesunde Futtermittel enthalten selbstverständlich auch alle diese lebenswichtigen Inhaltsstoffe. Um die volle Auswertung der Einzelkomponenten im Verdauungskanal zu erreichen, müssen den Tieren bekömmliche, schmackhafte und saubere Futtermittel gereicht werden. Und auch die Regelmässigkeit, die pünktliche Fütterung, spielt eine grosse Rolle. Es obliegt also nicht zuletzt der Fertigkeit des Züchters, die Futtermittel im Jahresverlauf so zusammenzustellen und zu verabreichen, dass die Kaninchen ihre wertvollen Erbanlagen vollständig entfalten können.
Haltung und Pflege Da auch die Haltungsweise einen grossen Einfluss auf die Entwicklung und Leistungsfähigkeit unserer Kaninchen ausübt, ist der Stallfrage eine besondere Bedeutung beizumessen. Grundsätzlich ist den Tieren genügend Tageslicht (ohne übermässige Sonnenstrahlung), saubere Luft und ein angemessener Stallraum bei entsprechender Umgebungstemperatur zu gewähren. Die Buchten unserer Kaninchen müssen naturgemäss auf die Körpergrösse der jeweiligen Rasse abgestimmt sein. Grossen Rassen billigte man schon immer eine grössere Stallfläche als mittleren und kleinen Rassen zu. Zweckmässige Kaninchenställe sind hell, trocken, luftig (aber nicht zugig) und werden aus geeignetem Material errichtet. Sie bieten die Grundlage für einen gesunden Kanichenbestand. Schlechte Stallungen hingegen - eng, dunkel, stickig und aus ungeeignetem Baumaterial fabriziert - bewirken genau das Gegenteil. In solchen Unterkünften leiden Gesundheit, Lebens- und Widerstandskraft der Tiere. Das möglicherweise in den Erbanlagen schlummernde Leistungsvermögen wird durch die schlechten Umweltbedingungen an seiner Entfaltung gehindert. Frische Luft und Bewegung begünstigen die gute Entwicklung aller Körperorgane, die wiederum Gesundheit, Lebenskraft und Leistung heben. Nur Tiere, die sich wohlfühlen, werden es dem Züchter mit hoher Wirschaftlichkeit danken. Zur gesunden Haltung gehört selbstverständlich auch die entsprechende Pflege. Hier sei speziell die Reinhaltung der Stallungen angemerkt, aber auch die individuelle Körperpflege darf nicht vergessen werden. Erst die persönliche Hingabe des Züchters, die gefühlvolle Behandlung erweckt das Zutrauen der Kaninchen. Die ständige Beobachtung des Bestandes gibt Aufschluss über das Wohlbefinden, die Entwicklung und den Gesundheitszustand der Kaninchen und lässt den Tierpfleger rechtzeitige Massnahmen ergreifen. Speziell der Neueinsteiger sollte wissen, dass all diese Grundvoraussetzungen entscheidend mit dazu beitragen, unsere Zuchten zu festigen und zu stärken, um nicht zuletzt viel Freude und Erfolge bei unserer Passion zu erleben.
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Vitalitätsmerkmale nicht vernachlässigen!
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Für den Züchter spielen die äusserlichen Merkmale des Kaninchens eine bedeutende Rolle. Mit diesen Merkmalen möchte er sich vor allem den Vorgaben des Standards annähern. Doch von ganz erheblicher Bedeutung sind auch die sogenannten Vitalitätsmerkmale. Unter anderem zählen hierzu die Widerstandskraft eine Tieres, seine Frohwüchsigkeit und Futterdankbarkeit, das problemlose Aufwachsen, Gutartigkeit oder die Muttereigenschaften. Wildkaninchen können in der freien Wildbahn nur überleben, wenn sie über vorzügliche Vitalitätseigenschaften verfügen. Die Tiere sind widerstandsfähig gegenüber schädlichen Einflüssen und verfügen über hoch entwickelte Sinne. Die Häsinnen werfen viele Junge und haben mehrmals im Jahr ihre Würfe. Sie geben auch bei schwierigen Futterverhältnissen noch ausreichend Milch, um die Jungtiere zu versorgen. Auch in der Wirtschaftskaninchenzucht achtet man sehr auf solche Eigenschaften, doch in der Rassenkaninchenzucht werden sie leider allzu oft "übersehen", weil ein bestimmtes Tier eben sehr gute Anlagen im Sinne der Musterbeschreibung besitzt. Dies aber kann fatale Folgen haben, weil sich ungünstige Leistungseigenschaften genauso weitervererben wie gute und erwünschte Merkmale.
Fruchtbarkeit, Milchleistung oder GutartIgkeit sind Eigenschaften, die züchterisch erhalten und womöglich noch gestärkt werden müssen. Schwache Würfe lassen es nötig erscheinen, die Zuchtzeit lange bis in den Frühsommer auszudehnen, weil man einfach nicht genügend Nachzucht erhält. Setzt man immer wieder Häsinnen mit schwachen Würfen ein, so könnte sich auf Dauer die Anlage für eine geringe Wurfstärke im Stamm festigen. Es ist also wichtig, dass man der Wurfstärke hohe Bedeutung beimisst. Gute Eigenschaften bezüglich der Aufzucht und Nachzucht sind demnach etwa Milchreichtum, eine genügend grosse Anzahl von Zitzen, hohe Wurfzahlen und das umstandslose Aufziehen der Jungen. Nun kommt es zwar vor, dass Junghäsinnen beim ersten Wurf ihre Jungen verstreuen oder nicht gleich genügend Milch geben usw. Hier sind die entsprechenden Steuerungshormone etwas "langsam". Gewöhnlich kommt es aber binnen weniger Stunden dazu, dass sich alles normalisiert. Doch wenn eine Häsin stets Umstände mit der Nachzucht macht, so sollte man wirklich überlegen, ob man ein solches Tier weiter einsetzt. Es gibt Zuchtstämme, die anfällig für alle möglichen Unpässlichkeiten sind, andere Linien hingegen sind wesentlich unempfindlicher. Auch die allgemeine Widerstandskraft ist also ein wichtiges Merkmal, das es auf züchterischem Wege zu fördern gilt. Niemand wird bezweifeln, dass es erbliche Zusammenhänge mit einer Vielzahl von Erkrankungen gibt, die sehr wohl durch eine entsprechend kritische Zuchtwahl zu beeinflussen sind. Schnelle Gewichtszunahmen sind ein wertvolles Erbe des Wildkaninchens. Auch dieser "Wirtschaftsfaktor" ist von erheblicher Bedeutung und verdient unsere Zuwendung. Es gilt, die günstigen Anlagen nach Kräften zu fördern und in einem Stamm zu verankern. Es gibt bei allen Rassen gewisse Schwankungen, denen man durch vergleichende Wägungen mühelos auf die Schliche kommen kann. So gibt es Stämme, die mit relativ wenig Futter gedeihen, während andere geradezu gemästet werden müssen, um das standardmässige Normalgewicht zu erreichen. Es erübrigt sich zu erwähnen, was mehr Aufwand und Kosten verursacht. Somit ist auch die Futterdankbarkeit ein hohes Gut, das vom Züchter zu beachten ist. Hin und wieder kommen wilde, ängstliche oder aggressive Tiere vor. Hierzu muss man wissen, dass die Anlage zur "Wildheit"der für "Zahmheit" in der Regel sogar überlegen ist. Es gilt also, die Zutraulichkeit der Tiere bis hin zur Unempfindlichkeit der Häsin am Nest zu fördern. Wir haben mit zutraulichen Kaninchen schlussendlich auch viel weniger Umstände bei der Vorbereitung für die Schauen.
Quelle: KANINCHENZEITUNG 2/2010 Verfasser: A. Ost
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Empfehlenswert
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Welcher Züchter erinnert sich nicht an die fachlich wertvollen Tips und Ratschläge welche von Ernst Kern zu allen möglichen und unmöglichen Fragen in der Tierwelt beantwortet /veröffentlicht wurden.
Diese Artikel hat Peter und Basil Brunner im Einverständnis mit dem leider verstorbenen Fachmann zusammengetragen und in 3 Bänden zusammengefasst. Eine Riesenarbeit, welche hoffentlich dazu dient, dass die unzähligen Sach- und Fachprobleme rund im die Kaninchenzucht und Haltung nicht verloren gehen, jederzeit nachgeschlagen werden können und wir auch nach seinem Tod von seinen fundierten Ratschlägen profitieren können.
Ernst Kern: Sein Wissen über die Rassekaninchenzucht (gesammelte Artikel aus der Tierwelt) - Zucht und Vererbung - Krankheiten und Missbildungen - Nährstoffe und Fütterung, Decken, Werfen, Aufzucht
zu beziehen bei Peter Brunner, im Hauweg 2 8370 Sirnach Telefon 071/ 966 48 37
www.kern-buecher.ch
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Fachliches
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Wann sind Kaninchen zuchttauglich?
Grundlage einer erfolgreichen Kaninchenzucht sind gesunde und erblich gut veranlagte Zuchttiere mit hoher Fruchtbarkeitsleistung. Bei der Auswahl der Elterntiere ist daher hinsichtlich Körperform, Rassenmerkmale, Gesundheit und Geschlechtsaktivität ein strenger Massstab anzulegen. Genaue Aufzeichungen über die genetische Veranlagung der Vorfahren und Geschwister sind eine wichtige Entscheidungshilfe für die Selektion und eine gezielte Zuchtwahl. Weibliche Jungtiere, die für die Nachzucht bestimmt sind, sollten von Häsinnen abstammen, die bezüglich Reproduktionsleistung (Fruchtbarkeit, Wurfgrösse, Aufzuchtvermögen) wiederholt überdurchschnittliche Ergebnisse erbracht haben. Die selektierten Jungkaninchen sind spätestens nach dem dritten Lebensmonat in Einzelbuchten umzustallen. Bei gemeinschaftlicher Haltung geschlechtsreifer Jungtiere kann durch gegenseitiges Bespringen eine Ovulation ausgelöst werden, die zur so genannten Scheinträchtigkeit führt. Dabei kommt es wie bei echter Trächtigkeit zur Gelbkörperbildung am Eierstock, die eine weitere Eireifung und damit erfolgreiche Paarung verhindert. Erst nach zwei bis drei Wochen sind die Tiere erneut deck- und befruchtungsfähig und nehmen den Rammler an. Bei Junghäsinnen tritt die Geschelchtsreife etwa ab dem 4. Lebensmonat ein, doch ist mit diesem Alter eine Belegung zu früh. Die Zuchtreife ist erst gekommen, wenn die körperliche Entwicklung weitgehend abgeschlossen ist und das Tier zwei Drittel seines rassetypischen Gesichtes erreicht hat. Bei mittelschweren Rassen ist die Häsin mit etwa 5 Monaten zuchtreif, grosse Rassen frühestens nach 6 Monaten. Keinesfalls darf die Aufzuchtfütterung zu energiereich sein. Derartige Tiere neigen zur Verfettung, zeigen eine geringe Geschlechtsaktivität und bringen meist nur kleine Würfe. Die Fütterung muss vielmehr auf eine harmonische und reifende Körperentwicklung abgestimmt werden. Das Auge des Züchters und seine Erfahrungen bestimmen letztlich das Zulassungsalter. Zeigt die zuchtreife Häsin keine Deckbereitschaft, ist es hilfreich, sie kurzzeitig in unmittelbarer Nàhe des Rammlers einzustallen. Durch Sicht- und Geruchskontakt wird die Häsin zur Duldung des Deckaktes stimuliert. Zur Paarung soll man die Häsin stets zum Rammler bringen und nicht umgekehrt. Einen entscheidenden Einfluss auf die Fruchtbarkeitsleistung eines Bestandes hat natürlich der Rammler. Nur typgerechter Vererber in guter Zuchtkondition bietet die Gewähr für hohe Befruchtungsraten, grosse Würfe und gesunden Nachwuchs. Jungrammler mittelgrosser Rassen sollten bei ihrem ersten Deckeinsatz 5 bis 6 Monate alt sein und zunächst wöchentlich nicht öfter als zwei- bis dreimal eingesetzt werden. Um auch später einer Überlastung vorzubeugen, darf auch ein älterer Rammler nicht öfter als vier- bis fünfmal in der Woche zum Deckeinsatz kommen. Beim natürlichen Deckackt reicht ein Rammler für 15 Häsinnen. Bei stärkerer Belastung ist eine Ruhepause von einer Woche einzuplanen. Zu lange Deckpausen sind jedoch zu vermeiden, zumal sich diese auf die Befruchtungsrate nachteilig auswirken. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass auch durch den Deckackt eines unfruchtbaren oder überforderten Rammlers eine Scheinträchtigkeit hervorgerufen werden kann. Ein guter Vererber kann drei Jahre und auch länger zum Decken eingesetzt werden, doch ist ein regelmässiger Wechsel notwendig, um Inzuchtschäden zu vermeiden. Abschliessend noch eine Anmerkung: Nicht immer sind Fortpflanzungsstörungen und unbefriedigende Zuchtergebnisse auf die Häsin oder auf den Rammler zurückzuführen. Auch die Umweltbedingungen, vor allem die Fütterung und Haltung der Zuchttiere, beeinflussen die Fruchtbarkeitsleistung entscheidend.
Quellennachweis: Der Kleintierzüchter 21/07 R. Arbes
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